Urpflanze - Metamorphosen der Pflanzen
Weizenkeimling
Reserven
Roggenbluete
Verstäuben

Plastizität


Blüten-ABC

Sporen
Frühlingsanemone
Polarität
Hintergründe
Letztes update 04.11.2016

BuchveröffentlichungMetamorphosen im Pflanzenreich
Metamorphosen im Pflanzenreich
Peer Schilperoord
183 S. 2011

ISBN
978-3-7725-23961-5

Flyer
Veröffentlichungen

Quadratkopf Lebermoos
Lebermoos
Pedicularis kerneri
Läusekraut
Weizenkeimling
Weizenkeimling
Equisetum
Ackerschachtelhalm
Acht-Wochen-Nuedeli
Kartoffelblüte
Blaue-Veltlin-Knospe
Kartoffelauge
Koernervielfalt Landsorte
Maiskolben



Auszeichnungen

Dr. Rudolf Maag Preis 2016
Der Dr. Ruolf Maag Preis wird seit 1973 jährlich an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise um die Pflege und Förderung der Pflanze verdient gemacht haben. Der Stiftungszweck ist dabei bewusst breit gefasst und erlaubt sowohl die Auszeichnung des Engagements in der Praxis, in der Kunst und in der Lehre und Wissenschaft.
Broschüre Preisverleihung

Anerkennungspreis der Bündner Regierung 2008
<<In Anerkennung seiner Forschungstätigkeit im Bereich der alpinen Kulturpflanzen sowie seines engagierten Einsatzes zur Erhaltung und Förderung der Sortenvielfalt in Graubünden>> hat die Bündner Regierung dem Verfasser einen Anerkennungspreis zugesprochen.

Vortrag
«urpflanzliches»
Schlüssel zur Vielfalt
Ein neues Modell

Peer Schilperoord
Dienstag 15.11.2016
20.15 Uhr, Brandissaal, Chur
Eintritt Fr. 25.--

Die Urpflanze

Die Urpflanze wächst überall. Trotzdem kann man sie nicht pflücken, nach Hause nehmen und in eine Vase stellen. Sie  ist nicht die erste Pflanze die das Land besiedelte. Sie ist die Einheit in der Vielfalt, die das enthält und zeigt was alle Pflanzen miteinander verbindet. Sie ist Entwicklung, Wachstum, Wandlung.

Die Krautige
Seit 1790 ist die einjährige krautige Pflanze, die Modellpflanze für den Unterricht. An ihr lernt man die verschiedenen Organe kennen, vom Keimblatt bis zum Fruchtblatt.

Die Mehrjährige
In dem Vortrag wird dieser Modellpflanze ein neues Modell zur Seite gestellt. Es ist die mehrjährige, verholzende Pflanze. An ihr kann man die Formverwandtschaften zwischen den Blütenorganen einerseits und Wurzel und Spross andererseits kennen lernen. Das Modell führt ein in die Gestaltungsprozesse, die es der Pflanze ermöglicht aus einer „einfachen Grundgestalt“ die komplexe Vielfalt des Pflanzenreiches hervorgehen zu lassen.

Das Aschenputtel
Die Botaniker haben bei der Wahl ihrer Studienobjekte eine Vorliebe. Sie studieren lieber Blüten als vegetative Knospen.  Die vegetative Knospe ist das Aschenputtel der Botanik.
Der Vortrag zeigt, wie die Pflanze es schafft das Aschenputtel durch eine wunderbare Metamorphose in eine Prinzessin zu verwandeln.

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Ausstellungsprojekt
Der Vortrag ist der Start für ein Ausstellungsprojekt für botanischen Gärten, Natur- und Regionalmuseen. Museen und Gärten in der Schweiz und Deutschland möchten die Ausstellung zeigen. Es ist noch nicht sicher, ob die Finanzierung zu Stande kommt. Die Ausstellung «Die Urpflanze – Gestaltentwicklung und Vielfalt im Pflanzenreich» verbindet traditionelles bzw. historisches Wissen mit den aktuellen Erkenntnissen der Wissenschaft. Die Ausstellung sucht die Balance zwischen einer wissenschaftlichen und einer künstlerischen Darstellungsweise. Sie knüpft an die Ursprünge der Morphologie und an Goethes Metamorphosenlehre an. Diese Lehre ist in grossen Teilen überholt. Einige Begriffe aus den Anfängen wie Polarität, Steigerung und ja, auch Urpflanze und Metamorphose, sind nicht in die wissenschaftliche Sprache eingegangen. Trotzdem sind sie für das Verständnis der Pflanze wichtig.  

Auskunft:
Peer Schilperoord
Tel.: 081 404 22 29
schilperoord@bluewin.ch

 

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In Planung Ausstellung:
"Die Urpflanze - Gestaltentwickung und Vielfalt im Pflanzenreich"
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Weitere Informationen zur geplanten Ausstellung  und Stand der Planung
Gesucht Ausstellungsorte
Alpenhahnenfuss
Übergänge Hochblatt-Blütenblatt
Prunus_Serrulata
Verlaubtes Fruchtblatt
Einleitung
Die Urpflanze wächst überall, trotzdem kann man sie nicht pflücken, nach Hause nehmen und in eine Vase stellen.
Die Urpflanze ist nicht die erste Pflanze, die das Land besiedelte und das Leben auf dem Land ermöglichte. Die erste Pflanze, die das Land besiedelte war ein unscheinbares Lebermoos. Eine Pflanze, die sich dem Boden anschmiegt. Der Grenzbereich von Erde und Luft ist ihr Lebensraum. Das Lebermoos ist eine ursprüngliche Pflanze, in ihr steckt die Urpflanze drin, aber sie ist nicht die Urpflanze.
Es war der berühmte Johann Wolfgang Goethe, Naturforscher, Dichter und Schriftsteller, der den Begriff 'Urpflanze' prägte. Er hat sich leidenschaftlich auf dem Weg gemacht das Pflanzenreich zu erforschen. Er interessierte sich für alle Pflanzen, für Nutzpflanzen, für Zierpflanzen, für Heilpflanzen, für Moose, Farne und Wildpflanzen. Die Frage, die ihn umher trieb und fesselte war, wie erkenne ich, dass eine Pflanze eine Pflanze ist. Was haben alle Pflanzen gemeinsam, was finde ich in jeder Pflanze zurück.

Urpflanze
Goethe war fasziniert von der Gestalt der Pflanzen, von der Vielfalt, von den Verwandlungen. Er wurde der Begründer der Gestaltlehre, der Morphologie. Das Faszinierende an der Pflanze ist, dass bei ihr im Gegensatz zum Stein, die Gestalt sich ständig ändert. Die Pflanze lebt im Wandel der Gestalten. Die Pflanze kann man anfassen, sie ist konkret, sie ist da, aber nach einiger Zeit sieht sie wieder anders aus. Sie könnte, wie die Lebermoose, ewig weiter wachsen. Die Lebermoose wachsen auf der einen Seite und sterben auf der anderen Seite ab. Ein immer währendes Entstehen und Vergehen, ewig quellendes Leben, das in die Form 'hineinstirbt'.
Diese beiden Aspekte, des Werdens und des Vergehens finden sich zurück  in dem Begriff der Urpflanze. Als Goethe die Urpflanze entdeckte, war er hell begeistert. Er sprach von einem Modell und einem Schlüssel dazu, mit dem man Pflanzen ins Unendliche erfinden kann, die eine innere Wahrheit und Notwendigkeit haben. Mit Modell meint Goethe die fertige Gestalt einer Pflanze und mit Schlüssel meint Goethe die Gestaltungs-Prinzipien, die Gestaltungs-Gesetzmässigkeiten die zur konkreten Gestalt führen.

Goethe liess sich in seiner Begeisterung hinreisen zu den Sätzen: "Die Urpflanze wird das wunderlichste Geschöpf von der Welt über welches mich die Natur selbst beneiden soll. Mit diesem Modell und dem Schlüssel dazu, kann man alsdann noch Pflanzen ins Unendliche erfinden, die konsequent sein müssen, das heisst: ... eine innerliche Wahrheit und Notwendigkeit haben." Nun kann man meinen, dass Goethe ein wenig übergeschnappt war, als er diesen Sätzen schrieb. Sein Enthusiasmus hat sich aber an etwas entzündet, dass einem wirklich begeistern kann.
Goethe hat etwas in sich entwickelt, wodurch er die Pflanzen besser verstehen konnte. Er konnte sich eine Gestalt vorstellen, nehmen wir eine Blume und dann entsprangen aus dem Zentrum seiner Vorstellung weitere neue Pflanzen, die farbige Blütenblätter und grünen Blätter hatten.  Diese Vorstellungsfähigkeit kann man pflegen und weiterentwickeln. Hat man die Fähigkeit vollkommen entwickelt, dann kann man sich ein Blatt vorstellen und danach in der Vorstellung das Blatt drehen, man kann es kleiner, grösser, spitzer, gewellter usw. werden lassen. Wenn diese Fähigkeit sich einstellt, kann das eine Euphorie auslösen. Man spürt in dem Moment, dass diese Fähigkeit reif ist, dass diese Art der Beweglichkeit des Denkens verwand
ist mit der Beweglichkeit des Gestaltwandels, die man an der Pflanze beobachten kann. Zu dem äusseren Beobachten kommt das innere Nachvollziehen hinzu. Von daher die Aussage Goethes: "Werdend betrachte sie nun ..."
Modell und ...
Goethe hat sich bei seinen Studien mit einjährigen Kräutern befasst. Sein Interesse galt aber auch den Mehrjährigen, den Nadelbäumen und den Farnen. Ein Modell der Urpflanze hat er nicht vorgeschlagen. In Nachfolge Goethes, der sich in seinem Buch vor allem mit Einjährigen befasst hat, zeigen die von Botanikern später vorgeschlagene Modelle, einjährige krautige Pflanzen mit Wurzel, Stängel, Keimblätter, Stängelblätter, Hochblätter und eine den Spross krönend abschliessende Blüte mit Kelch-, Kronen-, Staub- und Fruchtblättern. 

Schlüssel

Die Schlüssel helfen die Vielfalt der Formen, die aus dem Modell abgeleitet werden können zu verstehen. Ein wichtiger Schlüssel ist das Prinzip von 'Ausdehnung und Zusammenziehung'. Die Blattreihe von Keimblatt über die Stängelblätter bis zum Hochblatt kurz vor der Blüte, zeigt, wie die Spreite kräftiger wird, der Blattstiel länger und wie zur Blüte hin die Spreite zurückgenommen wird und die Hochblätter hauptsächlich noch den Blattgrund betonen. Goethe erkennt eine zweite Phase von 'Ausdehnung und Zusammenziehung' von den Kelch- über die Kronen- bis zu den Staub- und Fruchtblättern und eine dritte sieht er im Dehnen des Fruchtblattes und im Abreifen des Fruchtblattes. Goethe hat diese Gesetzmässigkeit vor mehr als 200 Jahren formuliert. Heute muss man sagen, dass die zweite Phase, die Phase der Blütenorgane nicht annähernd mit dem Prinzip von 'Ausdehnung und Zusammenziehung' beschrieben werden kann. Es ist komplizierter und das wusste Goethe auch, wie aus seinen unveröffentlichten Arbeiten hervorgeht
.


Erstarrung

Man versteht die Urpflanze falsch, wenn man das Modell, den Bauplan - auch Typus genannt - als das wichtigste anschaut. Dann erstarrt die Urpflanze. Ein Beispiel dafür ist das gängige Modell der grünen Pflanze, dass die Pflanze als zusammengesetzt aus Wurzel, Spross und Blatt darstellt. Alle mögliche Organe lassen sich auf diese drei Organe zurückführen, sie sind ursprünglich, deswegen nennt man sie Grundorgane. Das Grundorgan-Modell hat eine Berechtigung, übersieht aber,  das Gestaltungsprinzip, das zu der grünen Pflanze geführt hat. Dieses Prinzip kann man als Prinzip der 'organischen Polarität' bezeichnen. Es besagt, dass eine Einheit in sich eine Zweiheit enthält, aus dem ein Dritten, Neues, entstehen kann. Dieses Prinzip wirkt auch in der Blüte, in der Trennung der Geschlechter.
 

Weiterer Schlüssel
Ein weiterer Schlüssel verbirgt sich in dem geheimnisvollen Prinzip der 'Sporenbildung'. In der Sporenbildung konzentriert sich die Pflanze tausendfach in winzigen Sporen. Zusammen mit dem Prinzip der Trennung der Geschlechter ist das die Grundlage für immer neue Formen. 

Ausblick
Nur so viel sei hier angedeutet, dass man ahnt, welches Feld sich auftut, wenn man anfängt sich mit der Metamorphose der Pflanzen zu befassen. Man lernt die Pflanzen so direkter und wesensgemässer kennen, als wenn man nur versucht die Pflanzen über die Entschlüsselung der molekular-genetischen Prozessen zu verstehen. Man lernt dann zwar die Bedingungen kennen, die erfüllt sein müssen, damit die Gestalt der Pflanze
in Erscheinung tritt. Die Gestalt selber lernt man verstehen durch den Vergleich mit anderen Gestalten, durch das Eintauchen in die Vielfalt der Formen. 

Hintergründe

Die präsentierten Forschungsergebnisse beruhen auf einem ausführlichen Studium und einer kritischen Analyse der morphologischen Literatur der letzten 150 Jahre. Ohne die Arbeiten und die Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Johann Wolfgang Goethe, Wilhelm Hofmeister, Julius Sachs, Karl von Goebel, Wilhelm Troll, Wolfgang Hagemann, Focko Weberling, Jochen Bockemühl, Andreas Suchantke, Henning Kunze, Rolf Rutishauser, Peter Sitte, Regine Classen-Bockhoff,  Hans-Jürgen Tillich und vielen anderen wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen. Ein besonderer Dank geht an Hans Albrecht Froebe und meiner Frau.
Sie können die Arbeit mit Spenden unterstützen. Die geleistete Arbeit war nur dank Spenden möglich, wofür ich an dieser Stelle ebenfalls einen besonderen Dank ausspreche. Sie können die Arbeit finanziell unterstützen: Verein für alpine Kulturpflanzen, 7492 Alvaneu Dorf. CH42 8106 3000 0057 2560 3. Vermerk Ausstellung.

Veröffentlichungen

Lesehinweis, die Texte sind geschrieben für Biologen und interessierte Laien. Die mit * ausgezeichneten Texten empfehlen sich für eine erste Orientierung. Siehe für weitere Veröffentlichungen zu den Kulturpflanzen die Seite www.berggetreide.ch In der Schriftenreihe "Kulturpflanzen in der Schweiz" mit den Publikationen über Dinkel, Weizen, Gerste, Mais und Kartoffel finden Sie Angaben zu den Metamorphosen von Wild- zur Kulturpflanze. 

  • Studer-Ehrensberger, Kathrin; Schilperoord, Peer (2015).Blütenhaftes in der Metamorphose der vegetativen Jahreszuwachseinheit der Stiel-Eiche (Quercus robur L.). Elemente der Naturwissenschaft, 103, S. 5-27.
  • Studer-Ehrensberger, Kathrin; Schilperoord, Peer (2015). Die englische Übersetzung: The Blossom‐similarity of the Vegetative Annual Shoot of the Pedunculate Oak (Quercus robur L.) DOI: 10.13140/RG.2.1.5082.1209 Translation
  • * Schilperoord, Peer (2015). Ein neues Modell für die Urpflanze - die mehrjährige Blütenpflanze. Elemente der Naturwissenschaft, 103, S. 28-40.
  • * Schilperoord, Peer (2015). Die Englische Übersetzung: A new model for the archetypal plant - the perennial dicotyledonous plant. DOI: 10.13140/RG.2.1.1435.1841 Translation
  • Schilperoord, Peer (2013). Plastizität des Blütenbodens und des Fruchtknotens - Unterständigkeit. Elemente der Naturwissenschaft 99, S. 21-36.
  • Schilperoord, Peer (2011). Metamorphosen im Pflanzenreich - Lesen im Buch der Verwandlungen. Freies Geistesleben, Stuttgart. 183 S. ISBN: 978-3-7725-23961-5
  • Schilperoord, Peer (2008). Anschauende Urteilskraft. Elemente der Naturwissenschaft 89, 42-59.
  • Schilperoord, Peer (2008). Goetheanismus - falsche Abgrenzungen. Elemente der Naturwissenschaft 88, 66-69.
  • Schilperoord, Peer (2008). Die Trennung der Geschlechter und die Bildung der Blütenorgane - Gestaltungsfreiheit. Elemente der Naturwissenschaft 88, 39-60.
  • Schilperoord, Peer (2007). Eine morphologische Charakterisierung des Weizens (Triticum aestivum L.). Elemente der Naturwissenschaft, 87, 5-31.
  • * Schilperoord, Peer (2007). Metamorphosen der Pflanze. Elemente der Naturwissenschaft 86, 46-71.
  • * Schilperoord, Peer (2007). Metamorphosen der Pflanzen. Ein Manifest. Die Drei, 3, S. 35-41.
  • Schilperoord, Peer (2005). Modelling the plant, Goethe and molecular genetics. In: Harlan, Volker (Hg.): Wert und Grenzen des Typus in der botanischen Morphologie. Nümbrecht. S.  217-233.
  • Schilperoord, Peer (2002). Zum Typus des Blattes. Laubblattmetamorphose, Gegenläufigkeit und Verjüngungstendenz, eine kritische Analyse. Elemente der Naturwissenschaft 76, S. 61–72.
  • * Schilperoord-Jarke, Peer (2000). Goethes Metamorphose der Pflanzen und die moderne Pflanzengenetik. In: Heusser, Peter (Hg.): Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften. P. Haupt Verlag Bern.
  • Schilperoord, Peer (1997). The concept of morphological polarity and its implication on the concept of the essential organs and on the concept of the organisation of the dicotyledonous plant. Acta Biotheoretica S. 51–63.
  • Schilperoord, Peer (1992). Die Zweieinheit von Staub- und Fruchtblatt. Elemente der Naturwissenschaft 56, S.  71-79.

Zusammenfassung (Schilperoord, 2015, Neues Modell):
Zwei unterschiedliche Modelle für die Urpflanze werden besprochen. Das erste ist das bekannte Modell einer krautigen, zweikeimblättrigen Pflanze. Das zweite Modell ist neu. Es ist das Modell einer mehrjährigen, zweikeimblättrigen Pflanze. Die Wahl eines Modells gibt die Blickrichtung vor, mit der die Pflanze betrachtet wird. Der Betrachter wird gelenkt. Beim Modell der krautigen Urpflanze wird man veranlasst die Seitenorgane in ihrer Reihenfolge an der Sprossachse von unten nach oben vom Keimblatt bis zum Fruchtblatt zu durchlaufen und miteinander zu vergleichen. Beim neuen Modell der zweijährigen Urpflanze wird der Betrachter zusätzlich veranlasst die aufgehende, vegetative Knospe mit der geöffneten Blüte zu vergleichen. Das alte Modell setzt die Blüte in Bezug zum vegetativen Spross. Beim neuen Modell ist das auch der Fall, zusätzlich wird die Blüte in Bezug gesetzt zur aufgehenden vegetativen Knospe. Die Blattmetamorphose der aufgehenden Knospe zeigt eine klare Gliederung. Drei Bereiche können unterschieden werden, der Bereich der äusseren verhärteten Knospenschuppen, der Bereich der inneren sich schnell streckenden, farbigen und hinfälligen Knospenschuppen und der Bereich der Stängelblätter. Diese Gliederung findet sich in gesteigerter Form in der Blüte und korrespondiert mit a) dem Kelchbereich, b) dem Kronenblatt -, Staubblattbereich und c) dem Fruchtblattbereich.

Summary (Schilperoord, 2015, A new Model):
Two different models for the archetypal plant are presented. The first one is the well known model of a herbaceous, dicotyledonous plant. The second model is presented for the first time and shows a perennial, dicotyledonous plant. The choice of a model implies a particular outlook, that directs the way we look at the plant. The observer is guided. The model of the herbaceous plant takes the observer sequentially through the organs along the stem axis from the cotyledons to the carpel and induces him/her to compare those organs with each other. The new model of the perennial plant presented causes the observer additionally to compare the sprouting bud with the opened flower. The first model presents the flower that terminates the vegetative plant. The flower is related to the stem with its numerous green leaves. This is also the case for the new model, but additionally the model causes the observer to compare the flower with the sprouting bud. The leaf metamorphosis of the sprouting bud shows a clear organisation. Three regions can be distinguished: a) an area of outer sclerotic bud scales, b) an area of inner rapidly extending, distinctly colored and fragile scales and c) an area of stem leaves, just unfolding their leaf blades. This organisation is also found, as a fundamental state, in the flower. The regions correspond with a) the ring of sepals, b) the region of the petals and stamens and c) the carpel region.


© 2009 Fotos  Peer Schilperoord • Kontakt: schilperoord@bluewin.ch • Voia Gonda 1, CH 7492 Alvaneu Dorf • Tel. ++41 (0)81 404 22 29